Mit drei Koffern und unzähligen Erinnerungen und Eindrücken im Gepäck habe ich nach 115 Tagen Amerika pur wieder die Heimreise in das verschneite Österreich angetreten – mit einem weinenden und einem lachenden Auge. So sehr ich mich auf zu Hause gefreut habe, so schwer fiel mir auch der Abschied von der amerikanischen Universität, meinen Freunden dort und von New York City. An die „Creamcheese-Bagels“ zum Frühstück und den Anblick des Empire State Buildings hatte ich mich doch stärker gewöhnt gehabt, als mir bewusst war. Andere Dinge werde ich wohl weniger vermissen, beispielsweise das kleine Zimmer im Studentenwohnheim oder unsere krabbelnden Mitbewohner, die Kakerlaken.
Nun bin ich seit zwei Wochen wieder in heimischen Gefilden, leide noch immer unter Jetlag und berichte Freunden und Verwandten von meinen amerikanischen Abenteuern. Zu erzählen gibt’s da genug, schließlich erinnere ich mich jeden Tag an Anekdoten, die mich zum Schmunzeln bringen. So kommen mir einige Erinnerungen an meine Mitbewohner in den Sinn, die schon mal die halbe Wohnung unter Wasser gesetzt oder durch ein Versehen einen Polizeieinsatz ausgelöst haben. Oder jener Mann, der mich zwar für eine Australierin hielt, mir dennoch ein Kompliment für mein gutes Englisch aussprach. Aber auch mein Ausflug zum Grand Canyon schießt mir ins Gedächtnis. Den Grand Canyon im Sonnenuntergang zu sehen war eines der Highlights meines Auslandssemesters in Amerika, das ich sicherlich nie vergessen werde.
Amerika ist anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Nicht supermodern, nicht überheblich und schon gar nicht allen anderen voraus. Es ist vielmehr eine Mischung aus alt und neu, aus Einflüssen verschiedenster Kulturen und Menschen.
Müsste ich Amerika mit einem Wort beschreiben, würde ich „gegensätzlich“ wählen. Ich habe Amerika als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erlebt, zur gleichen Zeit aber auch als ein Land, das Jugendlichen tausende von Dollar für eine durchschnittliche Ausbildung abknöpft und Müttern keinen bezahlten Mutterschaftsurlaub bietet. Wer Geld hat, kann sich ein schönes Leben machen. Der Durchschnittsbürger aber muss mehrere Jobs gleichzeitig annehmen, um seine Familie über Wasser zu halten und geht doch pleite, wenn ein Familienmitglied eine Operation braucht. Ein staatliches Gesundheitssystem gibt es nämlich in den USA nicht. Der Großteil der Menschen ist freundlich und interessiert an Erzählungen von fremden Kulturen, besitzt jedoch selbst keinen Reisepass, weil viele Menschen die eigenen Landesgrenzen nie übertreten haben. In Sachen Umweltschutz könnten sich die Amerikaner bei uns eine Scheibe abschneiden, denn „umweltschonend“ oder „energiesparend“ sind Fremdwörter im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Neben einem interessanten Land habe ich aber auch etwas ganz anderes entdeckt: mich selbst. Ich war während meiner Zeit im Amerika glücklich, allein, stolz, verzweifelt, neugierig, genervt, sprachlos und oft erstaunt – über mein eigenes Verhalten, meine Tradition und Kultur. Die amerikanische Kultur ist in vielerlei Hinsicht anders als die österreichische – manche Dinge haben mir dort besser gefallen, anderen hingegen ziehe ich das gewohnt Österreichische vor. Eines habe ich aber sicher gelernt: Über den Tellerrand hinausblicken und die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen, bringt immer etwas. Und wenn auch nur, dass man wieder schätzen kann, was man zu Hause hat.
So schön es zu Hause auch ist, das Fernweh bleibt nicht aus. Amerika ist in jeder Hinsicht entdeckens- und erlebenswert. Von meinen Erlebnissen während meines ganz persönlichen Amerika-Abenteuers werde ich noch lange zehren und eines ist gewiss: Ich komme wieder.
Sonntag, 1. Februar 2009
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